Du kamst so überraschend
Und ich hörte Dich zuerst.
Es raschelte so komisch
Und der Blumenkasten bebend.

Dann sah ich nur die Spitzen,
die Federn im Kasten sitzen.
Naiv wie ich war,
als Stadtkind großgezogen,
dachte ich zuerst,
du nähmst ein Sandbad gegen Viecher,
Po nach links und Po nach rechts,
raschel, raschel,
mitten in meinem Blumenkasten,
kamst Du von nun an sicher.

Bis ich mal hineinschaute und
und überraschend sah,
dass Du Dir gerade ein Nest baust,
wie schön, mitten in mein Stadthaus.

Die morgendliche Prozedur war anscheinend gedacht,
dazu die Erde wegzudrücken,
damit entsteht ein Nistplatz sacht.
Der wurde dann schön ausgeschmückt mit Plastik, Ästen, Stroh,
schon erschreckend,
was man der Natur so übergibt
und die bleibt einfach froh.

Es dauerte nicht lange und drinnen lag ein erstes Ei,
so wunderschön in blau,
ich dachte erst ich schrei.
Von nun an las ich fleissig im Internet und Co
Was macht die Amsel wie und überhaupt wieso.

Es folgte jeden Tag,
ein neues Ei dazu,
am Ende warens fünf und
glücklich schienst Du.

Wir freuten uns so sehr,
wir waren voll dabei,
überliessen Dir den Balkon,
und kamen selten vorbei.

Nur morgens gab es Wasser
Und manchmal auch ne Beere,
ich freute mich so mit Euch,
es war mir eine Ehre.

Das ganze kleine Schauspiel
Ging mir sehr zu Herzen,
das Sonnenbaden mit offenem Schnabel,
Natur ganz nah und ohne Kabel.

Der Balkon war nun gesperrt,
keine Blümchen
und kein Sonnenbad für unsern Hund,
nur heimlich schauen vom Herd.
Durchs Küchenfenster konnte man,
ganz gut beobachten,
drum hängte ich es auch noch ab,
um Euch nicht sehr zu stören.

Aus Fünfen schlüpften letztlich zwei,
ganz süße kleine Küken,
ganz nackig und noch völlig blind,
da hiess es weiter brüten.

So saßt Du nun die meiste Zeit ,
Auf deinem Nachwuchs drauf,
riefst zwischendurch nach’m Amselmann,
mit Wunsch nach Würmern, lauf.

Den Küken ging es sichtlich gut,
sie gediehen und wurden größer,
so groß bis irgendwann die Mama
saß wie auf Daunen.

Die Pflege und die Liebe kamen mit einer Muße,
es war sehr schön mit anzuschauen,
Natur ganz nah und in echt,
und flutete mein Herz bis in die Füße.

Eines Tages wars soweit,
sie hüpften aus dem Nest,
die Aufregung war groß,
jetzt ging es endlich los.

Sie übten fliegen auf dem Balkon,
die Mama kam schön weiter,
der 4. Stock lud nicht wirklich ein,
so ganz ohne Leiter.

Doch schon am nächsten Morgen,
man konnte es kaum glauben,
in einem kurzen Moment,
ne Krähe im Sturzflug kam,
und wollte sich die Küken klauben.

Der Schock war groß,
mein Herz ganz weich,
versuchte ich noch schnell,
selbst ganz bleich,
den Schirm zu spannen,
um so die Gefahr etwas zu bannen.

Doch leider ist es so,
Natur ist was sie ist,
der eine lebt kurz,
der andere sie frisst.

Ich bin mir nicht mal sicher,
vielleicht der Flug auch klappte,
hinunter Richtung Freiheit,
vielleicht’s auch beide packten.

Es ging alles sehr schnell,
ich war noch gar nicht bereit,
Plötzlich verschwunden,
ich hoffe sehr, ihr macht eure Runden.

Die Erkenntnisse aus der Geschicht:
Liebe und Trauer liegen nah beieinander
Und trotzdem sollte man sich einlassen
Aufs Leben als Wunder.

Du denkst du gibst Schutz
Und machst es wirklich sicher,
das Leben aber lacht
und macht was es halt macht.

 

Tanja Sirbu 2019