Die Muße der Langeweile

Die Muße der Langeweile

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Ich sitze in einem Job, den ich gedanklich gekündigt habe, in der Probezeit, bereits intern besprochen und sitze quasi meine Zeit ab.

Langeweile.

Es gäbe mehrere Möglichkeiten:

  1. weiterhin kommen und sein bestes geben
  2. krank melden
  3. andere Dinge suchen, die man währenddessen macht
  4. sich der Langeweile genussvoll hingeben und schauen, was das mit einem macht

Grundsätzlich bin ich eher Typ a, wenn es sinnvolle Tätigkeiten gibt, die annähernd der Qualifikation entsprechen (schon mit eingerechnet Blumen gießen – mit denen kann man wenigstens reden 😉 – let’s do it. Ich hasse es allerdings zu warten, worauf denn auch eigentlich? Auf Feedback, auf Aufgaben, auf Rücksprachen, damit man weiter machen kann, auf andere Leute, von denen man sich abhängig macht.

Sich genussvoll langweilen und in Muße üben ist gar nicht so leicht. Ich höre immer öfter meine 4-jährige Tochter sagen „Mir ist langweilig“ und denke in solchen Momenten mit meinem Erwachsenenverstand „Ist doch großartig! Geniess es, was für ein Luxusproblem!“.

In einer Zeit, in der immer alles schneller wird, schneller, lauter, unübersichtlicher, wir dem Überfluss in allem kaum noch entgehen können, ohne wirklich an Qualität dazu zu gewinnen, ist Langeweile ein kostbares Gut, was auch kleine Kinder kennen und aushalten sollten, finde ich.

 Langweile

 Aus der Langeweile nämlich, aus der Stille heraus, ergibt sich wahrhaft Neues, in welcher Form auch immer. Der Schöpfungsprozess entsteht aus der Stille und gebärt mit Gebrüll, daher kommt auch die Wucht! Kreation braucht Stille, einen Raum für Ideen und deren Umsetzung.

 In der Langeweile spürt man sich, mit Haut und Haar. Bedürfnisse und Wünsche treten an die Oberfläche „Ich möchte etwas sinnvolles tun“, „Ich möchte etwas mit Menschen machen“, „Ich möchte mehr Ruhe haben.“, „Ich möchte mehr schreiben oder singen.“, „Ich möchte mehr reisen.“, „Ich möchte mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen.“ – was auch immer, jeder Mensch ist anders.

Und Langweile meint hierbei nicht, sich das nächste Mobile Device greifen und gleich wieder die aufkommende Leere mit Informationen von außen füllen, sondern einfach mal Sein und spüren was da ist. Das fällt den meisten Menschen gar nicht mehr so leicht, sich selbst zu spüren. Die Ängste, Sehnsüchte, Wünsche, den Status wo man ist und wo man eigentlich hin will (zu wissen, wo man hin will ist auch schon fortgeschritten!).

Ich für meinen Teil genieße die Zeit mit mir alleine außerordentlich. Ich bin gerne mit mir zusammen, jawohl. Aber auch ich bin nicht davon befreit, diese kostbare Zeit manchmal mit einem Buch, schöner Musik, Yoga, schwimmen oder Schreiben zu verbringen. Im schlimmsten Fall ertappe auch ich mich beim Surfen auf sozialen Netzwerken, die das menschliche Konstrukt Zeit aus uns heraussaugen und uns am Ende leer und unbefriedigt zurücklassen. Denn was tut man meist in dieser Zeit? Sich vergleichen, „sich inspirieren lassen“, sich informieren, sich ablenken, überall sein, nur nicht HIER, im JETZT, mit DIR.

 Ich sitze also in der Arbeit und kann die Leerzeit nicht genießen, woran liegt das? Das Umfeld passt nicht! Die eigene Erwartungshaltung, damit verbunden, dass man „ja was leisten muss für sein Geld“, sich nicht davonstehlen können und die Füße hochlegen, nicht schöne Musik hören können, sondern Radio, wo mehr Werbung läuft als alles andere…es wird einem nicht leicht gemacht. Man ist Teil eines Systems, ob man das nun möchte oder nicht. Ich möchte nicht mehr.

Also schaue ich mir das an, ich schaue mich an, was da ist und beobachte, was das mit mir macht…es fühlt sich nicht gut an. Es fühlt sich an wie Zeitverschwendung, meine Lebenszeit! Ich spüre Wut aufsteigen und Trotz, nicht länger mitspielen zu wollen und bleibe sitzen. Interessant! Und ich fange an zu schreiben, um die aufkommenden Erkenntnisse der Langeweile festzuhalten und zu verarbeiten. Schon besser! Ich bestimme, was geschieht und dann schauen wir was sich ändert…

Das leidige Thema Schlaf oder Motherhood – sleeping less

Das leidige Thema Schlaf oder Motherhood – sleeping less

Samstagfrüh mit Kind

Samstag 6:45. „Ich muss kacka“ und ich muss gleich heulen. Warum wacht meine Tochter grundsätzlich am Samstag früher auf als die gesamte Kindergartenwoche?

Muttersein bedeutet ganz einfach mit weniger Schlaf auskommen, als Dir gut tut. Punkt. Da gibt es nichts dran zu rütteln. Ja klar, Kinder sind unterschiedlich, manche schlafen auch länger, das wäre schön.

Letztens unterhielt ich mich mit einer frisch gebackenen Mama, die sich auch über den Schlafmangel echauffierte und fragte, ob das besser werden würde. Meine Erfahrung nach 4 Jahren mit Kleinkind ist, besser als in der Anfangszeit, wenn man alle 1-2h stillt, ja, aber gut wird es nicht mehr. Es sei denn, das Kind schläft woanders.

Und dann ist es hundertprozentig wieder etwas anderes, was einem den Schlaf raubt. Entweder muss der Hund mitten in der Nacht raus, weil er wieder irgendwas gefressen hat und Durchfall hat, besoffene, grölende Jugendliche torkeln im Hof oder Du hast Nachbarn, die nachts Ihre Katzen im Hausflur Gassi führen oder in der Früh mit Murmeln auf dem Boden spielen. Es hört nicht auf.

Die Lösung wäre eigentlich nur, Du gehst mit Deinem Kind zeitgleich ins Bett. Du hast halt dann keine Zeit mehr für Dich, geschweige denn für Deine Partnerschaft. Schlafmangel schlaucht, er macht unleidlich. Ich fühle mich gestresst.

Es ist extrem schwierig, morgens mit guten Gedanken aufzuwachen, wenn Du gleich funktionieren sollst, das heißt, wenn Dein Kind vor Dir oder vor dem Wecker wach ist. Samstags stelle ich keinen Wecker, denn ich würde gerne einfach mal ausschlafen. Ich habe das Kind extra lange aufbleiben lassen am Abend zuvor, aber es hilft alles nichts. Der Schlafmangel bleibt präsent.

Gedanken

Und da, wo Du Deine Gedanken darauf richtest, das wird mehr. Das, was Du fühlst, ziehst Du an. Also überleg Dir gut, wie der Tag werden soll.

  • Du bist unausgeschlafen, unleidlich und empfindest das alles als ungerecht.
  • Du hast recht, subjektiv betrachtet, aber diese Erkenntnis bewirkt erstmal gar nichts.
  • Du musst das Ruder rumreissen, gegensteuern!

Willst Du heute recht behalten, dass der Tag kacke ist oder willst Du friedlich und freudvoll mit Deinem Kind ins Wochenende starten? Juhu, ich bin wach, der Tag ist ein Geschenk!

Komm, wir machen Pancakes und legen uns dafür mittags noch mal hin, ja? Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Nachtrag: Wir haben eine Höhle in meinem Bett gebaut und den beleuchteten Sternenkäfer angemacht, wir lagen also quasi unterm Himmelszelt und vorher wurde ich noch ordentlich gedrückt, damit der Stinkesaure-Braunbär-Anteil in mir verschwindet für den Rest des Tages. Geht doch. Immerhin kann man mit 4-Jährigen schon reden, es wird also irgendwie doch besser! 😉 Jetzt läuft Pumuckl als Hörspiel und ich darf Zähneputzen und meinen Tee machen und dann gibt es Brei mit Erdbeermousse statt Pancakes, ok. Ich atme ein, ich atme aus. Ich bin hier und es ist jetzt. Schönen Tag!

Ausstöpseln. Unplug!

Ausstöpseln. Unplug!

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Einfach mal abschalten. Vom Lärm da draußen. Vom Internet, von sozialen Netzwerken wie Facebook, LinkedIn, Instagram & Co. Es gibt Tage, da geht man auf Facebook, um schnell mal was zu schauen…plopp, 1 Stunde ist rum, man weiß nicht mehr, was man alles gesehen/gelesen hat, man weiß nicht wozu.

Alles was man auf diesen Plattformen lernt, ist sich zu vergleichen, mit Menschen und Situationen, die meist nichts mit dem eigenen Leben zu tun haben.

Alle Menschen haben die gleiche Anzahl an Stunden, 24, jeden Tag. Die Frage ist nur, wie verbringst Du deine Zeit? Mit wem? Für was? Hast Du Spaß dabei? Fühlst Du Dich selbstbestimmt oder fremdbestimmt? Was macht das mit Dir? Erfüllst Du anderer Leute Erwartungen, die Deiner Kinder, Familie, Deines Chefs oder Deine eigenen? Kennst Du überhaupt Deine eigenen Wünsche? Findest Du immer wieder Ausreden, warum Du nicht das Leben führst, dass Du Dir insgeheim wünschst? Keine Zeit, kein Geld, können andere besser, was auch immer. Wartest Du noch? Worauf?

Einfach mal ausstöpseln. Kein Internet, kein Fernsehen, kein Radio. Langweile Dich! Hör Dir zu! Fühle Dich! Sei mit Dir und halte alles aus, einfach so, weil Du es Dir wert bist. Mach das immer öfter bis es ganz natürlich für Dich ist. Bis so eine neue Gewohnheit geboren ist, sich selbst ernst zu nehmen und auch kleine Impulse wahrnehmen zu können, unabhängig vom außen. Gehe jeden Tag einen Schritt mehr dahin, wo Du hin möchtest. Lass Dich nicht schubsen oder schubse zurück. 😉

Sei Du, kenn Dich und lerne Dich annehmen, damit es andere auch können.

 

Unplug

Just unplug. Very simple and so profound! Take time to unplug! Unplug from the Internet, from social media platforms, from TV and radio. Unplug from all the expectations that tear on you but have nothing to do with who you are or what you want to be.

Take time for yourself. Be bored. Feel yourself. Feel your body. Observe your thoughts.

Just unplug and see what happens, be curious what is emerging…

Das perfekte Herz – eine kluge Geschichte

Das perfekte Herz – eine kluge Geschichte

Eines Tages stand ein junger Mann mitten in der Stadt und erklärte, dass er das schönste Herz im ganzen Tal habe. Eine große Menschenmenge versammelte sich und sie alle bewunderten sein Herz, denn es war perfekt. Es gab keinen Fleck oder Fehler in ihm. Ja, sie alle gaben ihm Recht, es war wirklich das schönste Herz, das sie je gesehen hatten. Der junge Mann war sehr stolz und prahlte noch lauter über sein schönes Herz.

Plötzlich tauchte ein alter Mann vor der Menge auf und sagte: „Nun, dein Herz ist nicht annähernd so schön, wie meines.“ Die Menschenmenge und der junge Mann schauten das Herz des alten Mannes an.

Es schlug kräftig, aber es war voller Narben, es hatte Stellen, wo Stücke entfernt und durch andere ersetzt worden waren. Aber sie passten nicht richtig und es gab einige ausgefranste Ecken…Genau gesagt, waren an einigen Stellen tiefe Furchen, in denen ganze Teile fehlten. Die Leute starrten ihn an und dachten: Wie kann er behaupten, sein Herz sei schöner?

Der junge Mann schaute auf des alten Mannes Herz, sah dessen Zustand und lachte: „Du musst scherzen“, sagte er, „dein Herz mit meinem zu vergleichen. Meines ist perfekt und deines ist ein Durcheinander aus Narben und Tränen.“

„Ja“, sagte der alte Mann, „deines sieht perfekt aus, aber ich würde niemals mit dir tauschen. Jede Narbe steht für einen Menschen, dem ich meine Liebe gegeben habe. Ich reiße ein Stück meines Herzens heraus und reiche es ihnen und oft geben sie mir ein Stück ihres Herzens, das in die leere Stelle meines Herzens passt. Aber weil die Stücke nicht genau passen, habe ich einige raue Kanten, die ich sehr schätze, denn sie erinnern mich an die Liebe, die wir teilten. Manchmal habe ich auch ein Stück meines Herzens gegeben, ohne dass mir der andere ein Stück seines Herzens zurückgegeben hat. Das sind die leeren Furchen. Liebe geben heißt manchmal auch ein Risiko einzugehen. Auch wenn diese Furchen schmerzhaft sind, bleiben sie offen und auch sie erinnern mich an die Liebe, die ich für diese Menschen empfinde. Ich hoffe, dass sie eines Tages zurückkehren und den Platz ausfüllen werden. Erkennst du jetzt, was wahre Schönheit ist?“

Der junge Mann stand still da und Tränen rannen über seine Wangen.

Er ging auf den alten Mann zu, griff nach seinem perfekten jungen und schönen Herzen und riss ein Stück heraus. Er bot es dem alten Mann mit zitternden Händen an. Der alte Mann nahm das Angebot an, setzte es in sein Herz. Er nahm dann ein Stück seines alten vernarbten Herzens und füllte damit die Wunde in des jungen Mannes Herzen. Es passte nicht perfekt, da es einige ausgefranste Ränder hatte.

Der junge Mann sah sein Herz an, nicht mehr perfekt, aber schöner als je zuvor, denn er spürte die Liebe des alten Mannes in sein Herz fließen. Sie umarmten sich und gingen fort, Seite an Seite.

 

Urheber/Verfasser/Autor leider unbekannt.

Geschichte entnommen von: https://www.lichtkreis.at/gedankenwelten/weise-geschichten/das-perfekte-herz/